Die Entstehung des Seecontainers

Noch vor rund 65 Jahren waren Seehäfen ein großes Durcheinander aus Schiffen, die viel zu lange am Kai lagen. Dadurch konnte es bis zu einer Woche dauern, ein Frachtschiff zu löschen und erneut zu laden. Dieses Gewusel am Kai war äußerst ineffizient und sorgte für große Verzögerungen.
Aad Storm
Fr., 18 Dez. 2020 min read

Dies war dem amerikanischen Unternehmer Malcom McLean ein Dorn im Auge und so kam er auf die Idee, Stahlkisten zu benutzen, die die traditionelle Lade- und Löschmethode für Stückgüter revolutionierten. McLean wurde so zum „Vater“ der Containisierung und ermöglichte dem Welthandel damit ein noch nie da gewesenes Wachstum. 

Wir können es uns heutzutage gar nicht mehr vorstellen, doch bis weit in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurden (See-)Schiffe noch größtenteils von Hand be- und entladen. Am Kai standen dann reihenweise Lastwagen. Die Ladung wurde erst am Kai abgestellt und anschließend von Hafenarbeitern und Stauern herausgesucht und anschließend „im Raum“ zusammengestellt. Damals hieß es: „Ohne einen guten Stauer kann das Schiff sinken“. Das Laden und Löschen von Frachtschiffen war eine harte und nicht gerade ungefährliche Arbeit.

Wie ein Lastwagenfahrer den Welthandel auf den Kopf stellte

Es dürfte klar sein, dass all das nicht von heute auf morgen geschehen ist. Es war der Lastwagenfahrer Malcom McLean (14. November 1913 - 25. Mai 2001), der sich eine eigentlich ganz simple Lösung hatte einfallen lassen. Laden wir einfach alle diese losen Teile in eine Stahlkiste. Die Stahlkiste heben wir an Bord eines Schiffes und schon fahren wir los.

Die Idee kam ihm im Jahr 1937 einen Tag vor dem Erntedankfest. An diesem Tag hatte er stundenlang in der Reihe gestanden, um seinen Lastwagen mit Baumwollballen auf einem Pier in New Jersey zu entladen. Bis seine Idee endlich Wirklichkeit wurde, gingen noch fast weitere 20 Jahre ins Land. In dieser Zeit wurde sein Betrieb, McLean Trucking Company, zu einem der größten Straßentransportunternehmen der USA.

Noch vor dem Börsengang am 6. Januar 1958 hatte er sich von seinem Unternehmen verabschiedet, jedoch nicht von seiner Idee, Fracht in Boxen zu transportieren. Im Jahr 1955 kaufte sich McLean mit dem Geld aus dem Firmenverkauf die Pan-Atlantic Steamship Company, die er 1960 in Sea-Land Service umbenannte. Sea-Land (SeaLand), die erste Containerreederei der Welt, gehört mittlerweile zum Maersk-Konzern.

Am 23. April 1956 wurde zum ersten Mal die Ideal X beladen, ein von McLean umgebautes Tankschiff. Mit einem Kran wurden 58 „truck bodies“ – Auflieger – aus Aluminium an Bord des Schiffes gehoben, das von Newark nach Houston fuhr. Laut Geschichtsschreibung soll jedoch bereits einige Monate zuvor die Clifford J. Rogers als Erste mit Containern gefahren sein und somit nicht die Ideal X von Malcom McLean.

Auch dies erwies sich als zu ineffizient, schließlich musste ein kompletter Auflieger mitsamt Ladung an Bord gehoben werden. Das Gefährt nahm einfach zu viel Platz ein.

Der Erfindung des Containers

Gemeinsam mit Ingenieur und Erfinder Keith Tantlinger entwarf McLean, was heute unser Standardseecontainer ist. Tantlinger kam auf die Idee der Eckklötze, mit denen ein Container einfach angehoben werden kann, und zur Befestigung entwarf er den Twistlock-Mechanismus. Die Container konnten so wie Lego-Steine aufeinander gestapelt werden.

Doch der Erfinder ging noch einen Schritt weiter und setzte so den Weltstandard. Tantlinger überzeugte McLean, den patentieren Entwurf der International Organization for Standardization kostenlos zur Verfügung zu stellen, um der Industrie so einen Wachstumsschub zu versetzen. Dies besiegelte die internationale Standardisierung des Seecontainers.

Das erste Schiff von Sea-Land, das ausschließlich Container transportierte, war die Gateway City, die am 4. Oktober 1957 ihre erste Fahrt antrat. Sie transportierte 226 komplett beladene Container. Um diese Container laden und löschen zu können, hatte das Containerschiff von McLean eigene Portalkrane an Bord. Gegen Ende der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts hatte die Containerreederei von McLean 27.000 eigene Container, 36 Containerschiffe und Vertretungen in circa 30 Häfen, unter anderem in Rotterdam.

Der Erfolg der Container geht übrigens unlöslich mit einer logistischen Infrastruktur einher, die auf die Standardanforderungen abgestimmt ist: Containerschiffe, Krane am Kai, angepasste Züge, Lastwagen, Binnenschiffe und Informations- und Kommunikationstechnologie.

Quellenreferenz : https://nl.wikipedia.org/wiki/Malcom_McLean